Die Klinik steht mit keiner pharmazeutischen Firma in vertraglicher Beziehung, auch gibt es keinerlei Gründe für Gefälligkeiten (weil z.B. ein Arzneimittel früher gegen Entgelt klinisch geprüft wurde). Die Nennung von Präparaten, die mit ® gekennzeichnet sind, erfolgt also nicht in Werbeabsicht, sondern weil selbst bei Ärzten oft der Handelsname bekannter als der jeweilige Wirkstoff ist. Daß auch noch andere Arzneimittel mit dem gleichen Wirkstoff auf dem Markt sind, ergibt sich aus dem Zusatz "z.B.". Sollte sich eine Firma benachteiligt fühlen, weil ihr Mittel nicht erwähnt wird, so fügen wir dieses auf Wunsch gerne ein, E-Mail reicht aus!
Nach der chemischen Struktur werden 2 Klassen unterschieden:
1. Lokalanästhetikum vom Estertyp (Procain, Tetracain) - dieses Lokalanästhetikum wirkt nur kurz und weist eine relativ hohe Allergisierungsquote auf
2. Lokalanästhetikum vom Amidtyp (Lidocain, Mepivacain, Bupivacain, Etidocain, Prilocain, Ropivacain)
Zur
Schmerztherapie wird heute vorwiegend ein lang wirkendes
Lokalanästhetikum vom Amid-Typ (Bupivacain, Ropivacain, Etidocain)
verwendet. Die Wirkzeit beträgt grob 3-6 Stunden.
Ein mittellang wirksames Lokalanästhetikum (z. B. Mepivacain,
Lidocain) wird eher zu diagnostischen
Nervenblockaden
eingesetzt, wenn eine motorische
(= die Muskeltätigkeit
betreffende) Störung zeitlich
eingeschränkt bleiben soll. Die Wirkzeit beträgt ca. 45-90 Minuten.
Das kurz wirkende (ca. 10-20 Min) Lokalanästhetikum Procain vom
Estertyp weist zwar eine höhere Allergierate auf (Aldrete et al. 1970),
die toxische Wirkung ist aber gegenüber den lang wirkenden Substanzen deutlich
geringer. Die höhere Toxizität von z. B. Bupivacain wird jedoch dadurch
relativiert, daß die anästhetische Potenz erheblich über der des Procains liegt,
weshalb zur Erreichung einer vergleichbaren Blockadewirkung eine deutlich
geringere Dosis notwendig ist. Die lang wirkenden Substanzen entfalten eine
höhere vasodilatatorische (= blutgefäßerweiternde)
Aktivität, die besonders in der
Schmerzbehandlung erwünscht ist, weil sie die Durchblutung fördert.
Ein Lokalanästhetikum ist
ein Mittel zur örtl ichen Betäubung und darf nicht mit den "Betäu
bungsmitteln"
wie z.B. Opium oder Heroin verwechselt werden. Ein Lokalanästhetikum
macht auch niemals süchtig.
Ein Lokalanästhetikum
wird hpts.
zur
Schmerz ausschaltung bei
Operationen und zur
Schmerztherapie eingesetzt, mißbräuchliche Anwendungen sind nicht bekannt,
ergeben auch keinen Sinn. Ein Lokalanästhetikum
kann auch einen außer Takt geratenen
Herzrhythmus wieder normalisieren (Lidocain).
Das Lokalanästhetikum wirkt
lediglich auf die die Nervenzelle, indem es die Zellmembran
(= biologischer Strukturen mit
abschließender, begrenzender oder trennender Funktion)
stabilisiert und damit die Depolarisation
(= Verminderung oder Aufhebung
der Spannung an der Trennschicht)
erschweren bzw. verhindert und somit u.a. die Weiterleitung eines Schmerzreizes
unterdrückt.
Folgende Substanzen stehen zur Verfügung (die Lösungen sind ggf. zur Injektion
in 0,9% NaCl zu verdünnen):
Im praktischen Gebrauch wird man sich auf je ein mittellang- und lang wirkendes Lokalanästhetikum beschränken und jeweils eine Alternative bei Unverträglichkeit oder Tachyphylaxie (= allmählicher Wirkungsverlust) bereithalten. Wir benutzen als lang wirkendes Standard- Lokalanästhetikum Bupivacain bis 0,5% (in Ausnahmefällen 0,75%) ohne Zusätze, alternativ bei Tachyphylaxie (= Wirkungsabschwächung in kurzer Zeit bei wiederholter Gabe) oder Allergie Etidocain bis 1%, das eine etwas stärkere motorische (= die Muskeltätigkeit betreffende) Blockadereaktion aufweist. Als mittellang wirkendes Standardmedikament verwenden wir hauptsächlich Mepivacain, seltener Lidocain oder Prilocain.
Die Wirkung des Lokalanästhetikum`s
hängt hauptsächlich von der Konzentration ab.
Dabei gilt (vereinfacht dargestellt): je dicker die sog. Markscheide
(= die den Nerv einhüllende
Schicht) eines Nerven ist, umso mehr
Wirkstoffmoleküle werden für die Blockade benötigt, wobei die Bereitstellung der
Wirkstoffmoleküle hauptsächlich über die Konzentration erfolgt und nicht übers
Volumen.
Die dickste Markscheide besitzen die motorischen
(= die Muskeltätigkeit
betreffende) Nervenfasern, die sog.
A-Alpha-Motoneurone. Eine deutlich dünnere Markscheide haben
Nerven,
die für die Weiterleitung der Sensibilität
(= z.B. Berührungs- oder Schmerzempfindung)
verantwortlich sind (A- Beta-, Gamma-Neurone). Eine ganz dünne oder keine
Nervenscheide besitzen vegetative
(= das unwillkürliche
Nervensystem betreffende)
Nervenfasern (B und C-Fasern).
Das Lokalanästhetikum wird
je nach gewünschter Wirkung dosiert. In der Regionalanästhesie, z.B. zur
Operation im Bereich des Armes, wird das Lokalanästhetikum so
dosiert, daß auch die
Muskeln
erschlaffen. In der Regel wird dazu z.B. Carbostesin 0,5 (0,75)% verwendet.
In der
Schmerztherapie ist die muskelerschlaffende Wirkung nicht erwünscht, weshalb
die Konzentration herabgesetzt wird, z.B. 0,15 bis O,2 % Carbostesin. Die
Patienten sollen ja mobil bleiben, auch damit begleitend physiotherapeutisch
behandelt werden kann.
Zur Behandlung von (nicht schmerzhaften)
Durchblutungsstörungen
reichen zur Blockade der vegetativen
(= das unwillkürliche Nervensystem betreffenden)
B- und C-Nervenfasern 0,05-0,1% z.B. Bupivacain aus.
Diese Ausführungen machen deutlich, daß bei
Nervenblockade
n zur
Schmerz ausschaltung immer
automatisch die vegetativen B- und C-Fasern mitbetroffen sind, es also sozusagen
als (erwünschte) Nebenwirkung zu einer sehr viel besseren Durchblutung im
behandelten Bereich kommt, was jeder entzündlichen oder auch degenerativen
Schmerz
ursache deutlich entgegenwirkt.
Weitere Informationen zur Wirkungsweise der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem Lokalanästhetikum) finden Sie hier: www.lokalanästhesie.com (einfach anklicken).
Daß ein Lokalanästhetikum auch entzündungshemmend wirkt, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.
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Aktualisiert:>03.04.2008</>
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